Review: Litchi Hikari Club

Nicht jeder erbitterte Kleinbürger könnte ein Hitler werden, aber ein Stückchen Hitler steckt in jedem von ihnen. – Leo Trotzki

Auf der Suche nach einer Geschichte, die nicht nur eine Dystopie vorstellt, worin die heranwachsende Jugend versucht mit Hilfe eigenen Idealen und Vorstellungen ihre eigene Utopie zu erschaffen, sondern sich auch mit der Frage des Gruppenzwangs und des Feindbildes beschäftigt? Vielleicht angetan vom Roman ,,Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury oder vom Anime ,,Monster“ könnte dir auch die Realverfilmung zur Mangareihe ,,Litchi Hikari Club“ aus Japan gefallen.

Litchi Hikari Club basiert, wie gesagt, aus der gleichnamigen Mangareihe von Usamaru Furuya, der gerne über eine Gruppe von Jungs schreibt, die sich versuchen ihre eigene Position in jener Gruppe zu erkämpfen. Der Manga selbst erschien zwischen 2005 und 2006 in Japan, ist jedoch kein Eigenwerk und entstand nach der Vorlage eines gleichnamigen Theaterstücks aus dem Jahr 1985.

Nachdem die düstere Story im Jahr 2012 einen achteiligen Short-Anime mit jeweils drei Minuten Spielzeit bekam, der die Story durch seinen unnötigen Humorfaktor in einem anderen Licht gebracht hatte, waren die Erwartungen an die Realverfilmung dafür groß.

Die Regie übernahm Eisuke Naito, der schon einigen japanischen Kinobesuchern mit den Horrorfilmen wie The Crone oder mit der eigen Version des Romanes Herr der Fliegen zeigen konnte, dass ihm das Genre Horror, sowie auch Psychrodrama zugeschrieben ist. Daneben konnte man einige namenhafte Schauspieler, wie Shuhei Nomura als Tamiya (Live-Action Movie Chihayafur) oder Yuki Furukawa als Zera (Itazura na Kiss – Love in Tokyo), für den Cast gewinnen.

Obwohl die Ankündigung eines Filmes im April 2013 schon verkündet wurde, konnte man den Film erstmalig am 2. Oktober 2015 auf dem 20. Busan International Film Festival sehen. In den Kinos erschien der Film erst im Februar 2016 und seit Ende November ist der Film auch auf DVD und Blu-ray hier in Deutschland erhältlich.

Story:

Mitten eines verlassenen Stadtteils, worin die Spuren der Industrie überall zu sehen sind und die Luft nach Angst stinkt, leben neun Jugendliche, die allesamt auf dieselbe Schule gehen und eines gemeinsam haben: Sie sind die neun Mitglieder des Hikari Clubs. Mit ihren Anführer Zera wollen sie eine Welt erschaffen, die unberührt, schön und jung zugleich ist. Eine Welt, die dem genauen Gegenteil ihrer existierenden Realität entspricht. Im Zentrum dieser neuen Welt soll eine Göttin herrschen, die genau diese Werte wie Reinheit und Schönheit verinnerlichen soll. Doch bis zum heutigen Tage sucht der Club vergebens nach dieser Göttin und erhofft sich mit ihrem selbstgebauten Roboter, der mit künstlicher Intelligenz ausgestattet ist, jene Göttin zu finden. Die noch heranwachsenden Jungs erkennen aber langsam in ihrer Blindheit, dass der Weg zu solch einer Utopie mit Mitteln geprägt sind, die genau nicht den Eigenschaften entsprächen, die sie sonst so gerne ausleben würden. Neun Jugendliche, die mit Hilfe ihres Clubs versuchen ihre persönlichen Ängste zu verstecken, lernen zwei alte Freunde namens Neid und Eifersucht kennen.

Meine Gedanken:

Der wahre Kern der Geschichte:

Während der gesamten Spielzeit bat der Film dem Zuschauer so einiges an, sodass man diesen Film ehrlich gesagt sich zwei Mal anschauen sollte, damit man die wahre Bedeutung hinter dieser Geschichte verstehen kann. Im ersten Moment wirkt es so, dass eine Handvoll von Jugendliche sich zur Aufgabe gemacht haben ihre Idealen, oder eher gesagt die des Anführers, zu verwirklichen – egal unter welchen Mitteln. Dabei werden einige Menschen nicht nur entführt, sondern auch gerne bestialisch getötet. Mit dieser Töterei gleicht sich der Film an einigen Stellen und gerade am Ende hin einem Splatterfilm an, sprich, an einem Film, worin die Darstellung von exzessiver Gewalt und Blut im Mittelpunkt gebracht wird. Da sich der Regisseur entschieden hat die Geschichte mit solchen Elementen zu erzählen, fehlt in einigen Stellen die Tiefe des Filmes. Warum ist Zera so besessen von seiner eigenen Welt? Wie genau entstand diese sexuelle Bindung zwischen Zera und Jaibo? Und wieso vergibt einfach Tamiya seinen Club an Zera? Es gibt noch viele weitere Fragen und einiges wird im Film beantwortet. Leider aber nicht ausführlich genug, weswegen die neun Jugendlichen anders von ihrem Verhalten her dargestellt werden.

Wie wir es im Verlauf des Filmes erfahren, war Tamiya der ursprüngliche Anführer des Clubs, der dies zusammen mit seinen zwei besten Freunden Kaneda und Dafu gegründet hatte. Daher auch Hikari, weil dies aus den drei Vornamen der Freunden basiert. Nach der Zeit stoßen die weitere Mitglieder dazu. Diese Entwicklung wird nur als Flashback wiedergegeben, weswegen mir es schwer gefallen ist zu verstehen, wieso die neun Mitglieder in der Gegenwart so handeln. Es fehlen die Erklärungen vieler Zwischenereignisse und die Begründung ihrer Handlungen.

Obwohl ich den Mangapunkt etwas später erwähnen wollte, soll einfach gesagt sein, dass ich es jedem nur anraten kann die Mangareihe durchzulesen und hierbei meine ich nicht nur den Manga ,,Litchi Hikari Club“, worauf sich der Film basiert, sondern auch den Manga ,,Bokura no Hikari Club“, die die Ereignisse vor dem originalen Manga erzählt und noch tiefer in die Gedankenwelt aller neun Charaktere eingeht. Mit Hilfe des Mangas versteht man den Film auch besser und kann diesen auch intensiver wahrnehmen.

In Litchi Hikari Club geht es nicht nur um neun verrückte Jugendliche, die nach der unberührten Schönheit in Form eines Mädchen suchen und dabei einen Roboter entwickeln, namens Litchi, die genau diese Schönheit finden soll. Eher möchte man mit Litchi Hikari Club zeigen, dass der Kampf um die eigene Existenz und die Anerkennung von anderen einen einzelnen Menschen so weit in den Wahn treiben kann, dass er die eigene Kontrolle verliert, gerade dann, wenn er das Gefühl von Macht zu spüren bekommt.

Wie die Macht einen Menschen verändern kann:

Es ist kein Wunder, dass sich Zera Hitler und den römischen Kaiser Elagabal zum Vorbild nahm. Zera, der in Wirklichkeit Hiroyuki Tsunekawa heißt, lernte schon früh verstehen welche Nachteile die Erwachsenwelt mit sich bringt und verschanzte sich schon in jungen Jahren in seinem eigenem Zimmer. Der wissbegierige Junge las schon mit zwölf Jahren Bücher über die zwei genannten Herrscher und fand es interessant, dass Hitler eine Gestapo auf die Beine gestellt hat, die genau seine Idealen entsprachen und war vom Kaiser Elagabal fasziniert, da dieser seine Lust nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Männern auslebte. Beide Männern hatten ihre eigene Vorstellungen von einer Welt und wollten dies dementsprechend umsetzen. Und genau dies möchte Zera auch schaffen und sucht schon mit jungen Jahren nach dieser Macht, die ihm all das ermöglichen sollte. Nun in der Gegenwart lernen wir Tsunekawa genau so kennen, wie ihn die Macht letztendlich zu einem neuen Menschen geformt hat: Zera. Mit Zera schaffte er es durch seine Präsenz und Redekünste die Kontrolle aller zugewinnen, umso seine Welt erschaffen zu können. Aber wie es so oft der Fall war, gibt es im jedem Regime einen oder mehrere Verräter…

Unterschiede zur Mangavorlage:

Wie ich es gerade erwähnt hatte, lohnt es sich beide Mangareihen zum Film zu lesen. Man lernt nicht nur die Charaktere besser kennen, sondern kann ihre Handlungen eher nachvollziehen. Gerade, wie stark sich Zera an die Herangehensweise von Hitler anlehnt, wird einem im Manga viel bewusster, da dort Wörter wie ,,Die Rechte Seite; Die Linke Seite; Die Hinterseite; Verfolgung; Sackgasse; Der Stützpunkt; Das Geheimnis; Verbannt den Störenfried; Wir wollen bestrafen; Ermorde den Mann; Die Bestrafung; Eins; Zwei; Drei;…; Neun” fallen. Ich weiß jetzt nicht, ob es einfach daran liegt, weil ich den Film mit deutscher Synchronisation geschaut habe und so dieser Punkt leider verfällt, aber im Manga ist dieser Punkt viel intensiver dargestellt. Was ich im Manga auch mochte, ist der Wahrsager. Dieser taucht im Film eher wie ein Schatten in der Anfangsstelle und am Ende des Filmes auf, der nur mit Zera spricht. Ein weiterer Punkt für den Manga ist das Ende, dieser ist in einigen Stellen anders als im Film und ehrlich gesagt schockierender.

Bild & Ton:

Als Rezensionsexemplar wurde mir die DVD Version bereitgestellt. Zuvor hatte ich auch einen Rezensionsexemplar auf DVD zum ersten Teil der Assassination Classroom Realverfilmung bekommen, die ebenfalls von MFA+ FilmDistribution vertrieben wird. Da mir dort die Bildqualität nicht besonders gefallen hat, war ich erleichtert, dass das Bild in diesem Film um einiges besser war. Es gibt keine verpixelten oder unscharfe Stellen mehr. Der Schwarzwert ist in einigen Stellen nicht immer optimal, aber in dem düster gestimmten Film fällt es kaum auf. Die Tonqualität punkten dafür sehr. Ein guter Tonklang.

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Synchronisation:

Für die Synchronisation wurde die Synchronfirma DMT – Digital Media Technologie GmbH aus Hamburg beauftragt, die auch zum Beispiel die deutsche Synchronisation für den Anime Chaos Dragon übernommen hatten.

Mir persönlich hatte es sehr viel Spaß gemacht den Film mit deutscher Vertonung zu schauen. Die deutschen Sprecher wurden passend gewählt und hatten den jeweiligen Charakteren genug Tiefe und Persönlichkeit gegeben. Nichts wirkte wirklich verfälscht oder einfach nur daher gesagt. Da die deutsche Synchro hier wirklich toppt, machte der Film um einiges mehr her.

Leider konnte ich im Internet nicht die vollständige Liste aller deutschen Sprecher finden, jedoch veröffentlichte die Website Deutsche Synchronkartei die Namen drei deutscher Sprecher:

  • Timo Kinzel als Dafu
  • Jannika Jira als Hagio
  • Moritz Meyer als Tamiya (jung)

Verpackung und Extras:

Die einzelne CD, worauf der Film zu finden ist, wurde in einer Amaray-Hülle verpackt, dessen Cover einen Filmposter aus dem dazugehörigen Film zeigt. Extras sind hier nicht vorhanden.

Fazit:

Litchi Hikari Club ist ein Film der anderen Art. Ich mag diese düstere und angstauslösende Umgebung. Obwohl der Film durch seine Splatter-Effekte ein bisschen vom wahren Kehr der Geschichte abdriftet, wurde trotzdem die Geschichte um den Litchi Hikari Club mit viel Spannung, schockierenden Stellen und einfühlsamen Momenten erzählt. Die Story wird schnell wiedergegeben und einige Punkte wie die Bindungen zum Mädchen und dem Roboter habe ich hier nicht einmal erwähnt. So kann der Zuschauer vom allen schnell überrumpelt werden, wenn dieser den Manga vorab nicht kannte. Trotzdem sollten gerade die Filmliebhaber, die sich dabei gerne Horror- oder Psychodramafilme anschauen, sich diesen Film anschauen und ein eigenes Bild vom Untergang des Clubs machen. Übrigens sollte man kein Homophob sein, wenn man sich diesen Film anschauen möchte ┐( ̄ヮ ̄)┌. Da der Film um die 14€ kostet, muss man auch nicht viel Geld für einen gut gelungen Film ausgeben.


Vielen Dank an MFA+ und Think! Werbung für die freundliche Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

©2016 MFA+

©2015 LITCHI HIKARI CLUB F.P.

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Produktinformation

  • Darsteller: Kisetsu Fujiwara, Yûki Furukawa, Junya Ikeda
  • Regisseur: Eisuke Naito
  • Format: Dolby, HiFi Sound, PAL
  • Sprache: Japanisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Anzahl Disks: 1
  • FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
  • Studio: MFA (AV Visionen GmbH)
  • Erscheinungstermin: 25. November 2016
  • Produktionsjahr: 2015
  • Spieldauer: 114 Minuten

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